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Nagellacktest: Wie gut sind nachhaltigere Alternativen?

Nagellacktest: Wie gut sind nachhaltigere Alternativen?

24. Januar 2020

Hallo Ihr Lieben,
nachdem dieser Blogpost online ging, habe ich mich erst damit auseinandergesetzt, wie die verschiedenen Nagellacke überhaupt zu entfernen sind. Ich musste deshalb den Artikel nochmal überarbeiten und ihr könnt ihn jetzt mit aktualisierten Ergebnissen lesen.


Nagellack ist für viele von uns beständiger Begleiter im Alltag oder Farbklecks zu besonderen Anlässen. Die Auswahl an Farben, Zusammensetzungen und Produkten ist riesig und sehr unübersichtlich. Aber gemeinsam haben die meisten Produkte, dass sie nicht wirklich nachhaltig oder gesund sind. Tatsächlich ist Nagellack eine der größten Chemiebomben, die es im Bereich Kosmetik gibt. Da ich nicht ganz auf Nagellack verzichten mag, habe ich mich mal umgeschaut, welche nachhaltigeren Alternativen es gibt.

Woraus bestehen Nagellacke? Und was ist daran problematisch?
Nagellacke bestehen neben den Farbpigmenten zu einem Großteil aus synthetischen Inhaltsstoffen wie Weichmachern, Lösungsmitteln oder UV-Filtern, die über Kontakt mit Nägeln und Haut in den Körper aufgenommen werden können. Zum Beispiel verhindert Triphenylphosphat, dass der Lack brüchig wird. Studien weisen jedoch darauf hin, dass der Stoff den weiblichen Hormonhaushalt und sogar die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen kann. Ein anderes Beispiel sind Benzophenone (UV-Schutz). Diese Stoffgruppe hat die unschöne Auszeichnung "Kontaktallergen 2014" erhalten und Studien zeigen, dass sie besonders stark vom Körper aufgenommen wird und dort möglicherweise krebserregend wirkt. Dass diese Stoffe auch umweltschädlich sind, versteht sich fast von selbst. Sie sind bspw. in Sonnencremes enthalten und werden beim Schwimmen im Meer ausgewaschen. So sind sie mitverantwortlich für das Korallensterben und dadurch eine weitere Bedrohung für die Fischbestände der Meere. Ich könnte eine ewige Liste an weiteren Stoffen aufführen, die genauso problematisch sind, aber hier soll es auch um die Alternativen gehen. Wer es genau wissen will, dem empfehle ich *Seiten/Apps wie Codecheck, mit denen ihr per Scan jedes Produkt und seine Inhaltsstoffe checken könnt.

Also alles schlecht?
Es gibt bereits einige Hersteller, die auf schadstoffärmere und nachhaltige Alternativen setzen. Dabei werden Rohstoffe aus nachwachsenden Ressourcen eingesetzt, auf tierische Erzeugnisse verzichtet oder bio-zertifizierte Inhaltsstoffe verwendet. Allerdings sind Nagellacke - bis auf auf einen im Test - nicht nach den gängigen Naturkosmetiksiegeln zertifizierbar, da gewisse Inhaltsstoffe problematisch bleiben. Orientierung bieten aktuell leider nur Kennzeichnungen wie “3-free“ oder "5-free“. Sie bedeuten, dass der Hersteller folgende Stoffe verzichtet: 3-Free: ohne Formaldehyd, Toluol und Dibutyl Phthalate 5-Free: zusätzlich ohne Formaldehyd-Harz und Kampfer 7-Free: zusätzlich ohne tierische Bestandteile und Tierversuche 10-Free: zusätzlich ohne Parabene, Duftstoffe und Xylene. Sollten euch Informationen zu den einzelnen Inhaltsstoffen interessieren, klickt einfach auf "Mehr" am Ende des Artikels. Dort gibt es ausführliche Infos.

Darum: trotz Versprechungen lohnt es, auf Etiketten zu schauen und Inhaltsstoffe zu checken. Denn es könnten sich abgesehen von Schadstoffen durchaus auch Mikroplastik oder für VeganerInnen ungewollte, tierische Erzeugnisse darin befinden. Gleichzeitig gilt, die Bezeichnung „vegan“ gibt keinen Aufschluss darüber, wie gesund oder nachhaltig das Produkt ist. Es bleibt also noch viel zu tun, um nachhaltigere Nagellacke an den Markt zu bringen.

Getestete Nagellacke
Wir haben Nagellacke von verschiedenen Herstellern ausprobiert und getestet, wie gut die Inhaltsstoffe sind. Aber auch die Qualität hinsichtlich Deckkraft, Konsistenz, Trocknungszeit und Haltbarkeit spielt eine Rolle. Damit die Ergebnisse weniger subjektiv sind, habe ich den Test nicht allein gemacht, sondern sowohl unsere Praktikantin, also auch unsere Shooting Assistentin gebeten, die Lacke zu testen. Wir haben Punkte vergeben nach: Wie easy war es den Lack aufzutragen, wie gut deckt er, wie schnell trocknet er, wie lange hält er und gibt es Schwierigkeiten beim Entfernen.

Unsere Testergebnisse
Absoluter Testsieger sind für uns die Lacke von Kure Bazaar. Sie haben zwar mit ca. 20 Euro einen stolzen Preis, aber schneiden in jeder Kategorie mit der vollen Punktzahl ab. Die australische Brand stellt ihre Lacke 10-free her und verzichtet auf Tierversuche. Die Inhaltsstoffe sind zu 85% natürlich und bestehen unter anderem aus Kartoffeln und Mais. Die breite und trendige Farbpalette hat auch viele Schimmer-und Glitzerlacke im Angebot. Was mir besonders gut gefällt, da ich es beim Nagellack gern ausgefallen mag.

Ebenfalls sehr gut abgeschnitten haben die Produkte von Glossworks, die ebenfalls vegan und 10-free sind, aber etwas günstiger mit 14 Euro. Die Brand führt ebenfalls starke Farben, Schimmer-und Glitzerlacke.

Nun kommen eine Reihe Lacke, die alle ungefähr gleich gut abgeschnitten haben.
Die Lacke von OZN (ca. 15€) sind vegan, halal und nach dem 7-free Prinzip in Deutschland produziert. Toll, dass es so viele Zwischennuancen und Sonderkollektionen gibt.
Kia Charlotta (ca. 13€) verzichtet zur Müllvermeidung auf große Flaschen, da Nagellacke oft halbvoll weggeworfen werden und produziert nach dem 14-free Prinzip. Die kleinen Flaschen sind besonders für Reisen praktisch.
benecos (ca. 8€) Lacke sind 8-free, fallen aber explizit aus der sonst zertfizierten Produktpalette heraus. Es gibt sie in vielen Drogerien zu kaufen.
Die australische Marke Kester Black (ca. 20€) hat 10-free Nagellacke im Angebot und setzt sich neben sozialen Projekten gegen Diskriminierung und Geschlechterungerechtigkeit auch für nachhaltige Produktionsweisen ein. Die Farben sind ausgefallen und sehr trendy.
Gitti (ca. 18€) ist noch recht neu am Markt und produziert 17-free Nagellacke auf Basis von Wasser anstatt von Lösungsmittel. Mir gefällt das Layout der Lacke besonders gut.

Unser ehemaliger Testsieger war Provida organics (ca. 15€), denn er ist der einzige, der im Test nicht nur das Naturkosmetiksiegel erreicht, sondern sogar nach dem strengsten verfügbaren Bio-Zertifikat "demeter" produziert wird. Allerdings hatten wir da noch nicht überprüft wie sich der Lack entfernen lässt. Nämlich gar nicht. Ich weiß nicht, was in der Rezeptur drin ist, aber ich habe ihn selbst mit den giftigsten Nagellackentfernern nicht mehr abbekommen, was natürlich das Bio-Zerftikat hinfällig macht. Ich hoffe, dass sich die Rezeptur bald verändern wird.
Ebenfalls schlecht abgeschnitten hat der Lack 100% pure (ca. 13€). Er ist 10-free und die Marke versucht auch im Bereich nachhaltige Produktion den Energieverbrauch mit Erneuerbaren Energien abzudecken, sowie Wasser aufzubereiten. Das Auftragen ist recht mühselig und man braucht mindestens zwei Schichten (wenn nicht sogar drei) um ein gutes Ergebnis zu bekommen.
Die Lacke von Alterra sind zwar "nur" 5-free, aber mit einem Preis von 1,50 - 2,00 Euro natürlich ausnahmelos günstig. So richtig gut will die zweite Schicht aber nicht trocknen und so bildern sich auch nach sehr langer Wartezeit Druckstellen.

(Alle Lacke wurden uns zum Testen gratis zur Verfügung gestellt. Dieser Test ist unabhängig von Marken entstanden)

Fazit
Nicht jeder Öko-Nagellack kann mit herkömmlichen Lacken mithalten. Oft braucht es eine zweite Schicht um ein optimales Farbergebnis zu bekommen oder einen Überlack, damit man die Haltbarkeit steigern kann. Aber wenn man sich mit verschiedenen Lacken auseinander gesetzt hat, findet man seinen persönlichen Liebling, sowohl im Premium-, also auch im Drogeriesegment. Testsieger ist für uns trotzdem ein teurerer Lack und wenn bedenkt wie oft man den Lack benutzen kann, ist es auch gut investiertes Geld. Wenn ihr eure alten, herkömmlichen Lacke nicht mehr benutzen wollt (wie ich), dann könnt ihr ganz einfach euren Freundinnen eine Freude damit machen oder sie raus auf die Straße stellen mit einem Schild "zu verschenken". Es gibt bestimmt jemanden, der sich darüber freut.

Ich hoffe, ihr konntet mit dem Test etwas anfangen und habt Lust, den Farbklecks auf euren Nägeln beim nächsten Einkauf etwas nachhaltiger zu machen! Wenn ihr noch einen heißen Tipp für einen besonders guten Nagellack für mich habt, freue ich mich.

Alles Liebe,
Marie

Mehr

1. Phtalate (inkl. Dibutylphthalat (DBP), Diethylhexylphtalat (DEHP))

Phtalate sind häufig in einer großen Brandbreite von Kosmetikartikeln enthalten, einschließlich Nagellack, und dienen als Weichmacher oder Lösungsmittel um dem Nagellack eine glänzende und plastikähnliche Konsistenz zu verleihen. Weichmacher sind nachweislich krebserregend und schädlich für Leber, Nieren und Fortpflanzung.

2. Toluol (auch: Methylbenzol)

Toluene sind in Rohöl und im Tolubaum enthalten. Sie sind in einer Vielzahl von Kosmetikartikeln zu finden wie z.B. Haarfärbemittel und Nagellack und fungieren als Lösungsmittel, um die Farbe für ein abgerundetes Ergebnis zu entbinden. Toluol wurde nicht als krebserregend eingestuft, hat sich jedoch für die Atmung als starkes Neurotoxin erwiesen.

3. Xylol
Xylole werden häufig als Lösungsmittel in Nagellack verwendet um diesen zu verdünnen – bzw. um eine ›klumpige‹ Konsistenz zu vermeiden. Xylol ist außerdem für den markanten Nagellackgeruch verantwortlich. Es wurde erwiesen, dass es ein Allergen ist, dessen Dämpfe Augen-und Hautreizungen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Übelkeit verursachen können.

4. Kampfer

Kampfer wird aus dem Kampferbaum gewonnen, kann aber auch auf synthetische Weise produziert werden. Die synthetische Form wird häufig in Nagellack gefunden und dient als Weichmacher für Glanz und Geschmeidigkeit. Übermäßiger Kontakt mit Kampfer kann beim Einatmen zu Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen führen. Es wird gesagt, dass Kampfer in kleinen Dosen keine gesundheitlichen Schäden verursacht, aber wir sagen, warum das Risiko eingehen und lieber gleich darauf verzichten!

5. Formaldehyd

Formaldehyd wird in Nagellack als Konservierungsmittel verwendet. Es ist außerdem ein Inhaltsstoff, der ebenfalls den strengen Geruch in Nagellack verursacht. Es ist ein nachgewiesenes Karzinogen (krebserregender Inhaltsstoff ) und kann Atemwegsprobleme, Übelkeit und allergische Reaktionen verursachen.

6. Formaldehydharz

Formaldehydharz verleiht dem Nagellack Tiefe, Glanz und Härte. Ebenso ist es eine Komponente, die für eine bessere Haftung des Nagellacks sorgt. Es ist nicht so krebserregend wie Formaldehyd eingestuft, ist aber ein berüchtigtes Hautallergen und kann nachweislich Dermatitis verursachen.

7. Ethyl-Tosylamid

Ethyl-Tosylamid wird meistens als Weichmacher in Nagellack eingesetzt. Es kann die Haltbarkeit und Langlebigkeit des Nagellacks erhöhen. In Europa wurde es auf Grund seiner antibiotischen Eigenschaften und Antibiotikaresistenz in vielen (aber nicht allen) Körperpflegeprodukten verboten.

8. Triphenylphosphat (TPHP)

Triphenylphosphat wird ebenfalls als Weichmacher eingesetzt um die Geschmeidigkeit und Haltbarkeit von Nagellack zu erhöhen. Die Darstellung von TPHP wurde mit endokrinen Wirkungen, Fortpflanzung-und Entwicklungstoxizität in Verbindung gebracht.

9. Kolophonium

Dies ist eine klebrige Substanz, die aus Fichten und Kiefern gewonnen wird. Seine Eigenschaften machen es zu einer potentiell nützlichen Zutat in vielen Kosmetika, gilt jedoch als ein starkes Allergen und wurde mit akuter allergischer Kontaktdermatitis sowie Atemproblemen in Verbindung gebracht.

10. Halogenorganische Verbindungen (AOX)

Organische Halogenide werden als Lösungsmittel verwendet. Sie sind eine chemische Verbindung aus Brom, Jod, Fluor und Chlor. Sie wurden mit Nervenschäden in Verbindung gebracht und einige gelten als Karzinogene.

11. Parabene

Parabene sind eine Gruppe von Inhaltsstoffen, die als Konservierungsmittel wirken. Sie halten Bakterien, Schimmelpilze und Pilze davon ab, in Ihren Kosmetikprodukten zu wachsen. Sie werden häufig mit einem erhöhten Risiko von Brustkrebs und Hautkrebs in Verbindung gebracht.

12. Silikon

Das am häufigsten verwendete Silikon im Nagellack ist Dimethicon und beschleunigt den Trocknungsprozess. Es ist bekannt als Allergen, wie auch als eine umweltschädliche, nicht biologisch abbaubare Chemikalie.

13. Duftstoffe

Wenn Deine Kosmetika Duftstoffe in ihren Zutaten auflisten, ist es gut einen genaueren Blick darauf zu werfen, da meist unbekannt ist, welche Komponente genau diesen Duft ausmacht. Die meisten Duftstoffe werden mit ernsten gesundheitlichen Problemen assoziiert wie z.B. Krebs, Fortpflanzung-und Entwicklungstoxizität, Allergien und anderen Reizungen. In manchen Nagellacken werden Düfte verwendet, um den starken Geruch zu verdecken oder einfach den Nagellack einen angenehmen Geruch zu verleihen.

14. Tierische Inhaltsstoffe

In Nagellack enthaltene tierische Inhaltsstoffe sind häufig Guanin und Karmin. Erfahre hier mehr über diese Bestandteile. Noch konnten keine gesundheitlichen Schäden

nachgewiesen werden, aber wir, als veganes Unternehmen, halten uns von diesen fern, da wir keine Inhaltsstoffe verwenden möchten, für die Tiere leiden oder sterben mussten.


(Quelle: Kester Black, OZN, Kia Charlotta)

Fotos: Marie Hochhaus
Text: Marie Nasemann, Laura Krampe & Norian Schneider

* Alle Produkte im Test sind uns für den Test zur Verfügung gestellt worden.

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